Auch wenn jeder Mensch seine eigene Geschichte mitbringt, lassen sich in meiner Praxis immer wieder ähnliche Befürchtungen beobachten. Viele Menschen haben Angst davor, alles ausgraben zu müssen. Sie befürchten, dass eine Therapeutin sie zwingt, schmerzhafte Erinnerungen aus der Vergangenheit aufzurollen, auf die sie lieber keinen Blick werfen möchten. Das ist ein Missverständnis über den therapeutischen Prozess. Gute Therapie geht nur so tief, wie du bereit bist zu gehen. Kein seriöser Therapeut reißt Türen auf, die du geschlossen halten möchtest.
Eine andere häufige Angst ist die vor Verurteilung. Was denkt die Therapeutin über mich, wenn sie das hört? Was, wenn ich Dinge erzähle, die seltsam klingen, die peinlich sind, die mich in einem schlechten Licht zeigen? Die Antwort, die ich dir geben kann: In meinen mehr als zwei Jahrzehnten therapeutischer Arbeit habe ich gelernt, dass Menschen in der Regel nicht seltsam sind. Sie sind in bestimmten Situationen zu bestimmten Bewältigungsstrategien gekommen, die damals Sinn ergeben haben. Meine Aufgabe ist nicht zu urteilen, sondern zu verstehen.
Manche haben auch Angst davor, dass Therapie die Dinge schlimmer macht, bevor sie besser wird. Dass man anfängt, sich mit Themen zu beschäftigen, die man lieber in Ruhe gelassen hätte, und dann mit dem Gewicht allein bleibt. Diese Sorge ist nachvollziehbar und verdient eine ehrliche Antwort: Ja, es kann in einem therapeutischen Prozess Phasen geben, in denen etwas wehtut. Aber eine gute Therapeutin sorgt dafür, dass du diesen Weg nicht alleine gehst, und achtet auf dein Tempo. Stabilität ist immer die Grundlage, bevor tiefere Schichten berührt werden.